Simon Czapla/Sebastian Koberstädt

 

GEHT'S NOCH

Installation und Malerei/Objekt

 

sebastiankoberstaedt platzhalter simonczapla
Sebastian Koberstädt
Düsseldorf
  Simon Czapla
Freiburg

 

Dauer

platzhalter

11.09.2010 – 17.10.2010

 

 

 

Öffnungszeiten

 

Di – So 14.00 – 17.30 Uhr

 

 

 

Eröffnung der Ausstellung

 

Freitag 10.09.2010 um 19.00 Uhr

 

 

 

Einführung

 

Dr. Barbara Stark

 

 

Leiter der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz

 

 

Eröffnungsrede: PDF-Download >>

 

 

 

Presse

 

akzent (Michael Schrodt): PDF-Download>>

 

 

SÜDKURIER (Andreas Gabelmann):
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Simon Czapla
Manchmal ist zu viel nicht genug (Cornelia Czapla)

Simon Czapla bedient sich in seiner Malerei ikonenhaft überhöhter Figuren und stellt diese in Kontrast zu Kürzeln und Zitaten des kollektiven Bildgedächtnisses in Kunst und Zeitgeschichte. Die Ikonographie in seinen Arbeiten ist einer längst untergegangenen religiös aufgeladenen Kompositionsweise entlehnt, welche in Kontrast zur Popkultur gesetzt wird.

Am Anfang steht die Figur, die in eine Bildwelt aus Farbfeldern, Ornamenten und Figurationen eingearbeitet wird. Diese Bildfragmente dienen der Entwicklung von Überhöhungen und schaffen Reizmonente, welche meist direkt auf den thematischen Gehalt verweisen. Jedem Aspekt der Thematik wird ein eigener Bildraum zugeordnet und jede Komposition zielt darauf, der Tradition der Malerei eine aktuelle Glaubwürdigkeit zu verleihen. Da inhaltliche Bezüge für Czapla Priorität haben, kontert er auf formaler Ebene und entwickelt seine subjektiven visuellen Wahrnehmungen und Assoziationen zu opulenten in sich geschlossenen Bildphantasien. Die neobarocke Formensprache, gespickt mit Zitaten der Popkultur, birgt für die Augen des Betrachters die größtmögliche Informationsdichte. Sie reizt ihn zu visuellen Entdeckungsreisen und fordert ihn auf, sich zu positionieren.

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Sebastian Koberstädt
Verdrehte Tatsachen als Standard (Kaspar Maria Ullrich)

Ein kleiner Raum ist durch ein gedämpftes, warmes Licht erhellt. Die schräge Decke ist am höchsten Punkt kinnhoch. Ein schmaler dunkler Gang führt zu einem Ausstieg durch den ein heller Schein fällt. Eine dekonstruktivistische Treppenskulptur führt nach oben. Die Plattform die darüber liegt erstreckt sich über eine Rampe, die ins nichts geht, eine zweite nach unten, zum Boden. " DYING TO LIVE " steht deutlich lesbar als geschraubter Schriftzug und entlässt den Betrachter mit der Frage nach der Gewissheit des Ungewissen. Denn genauso präsentiert sich die Arbeit im Raum.

In der Arbeit von Seb Koberstädt geht es um ein Verständnis des bereits Dagewesenen bzw. Vorhandenem und dessen Transformation. Der Umgang dabei bezieht sich auf die Beobachtungen des Künstlers über seine Umwelt und der eigenen Person die sich darin erlebt. Es ist eine Form des Selbstportraits, jedoch nicht im Sinne einer Inszenierung als vielmehr einer kritischen Betrachtungsweise der eigenen Wahrnehmung. Die bewusste Verwendung von Lack, ist hierbei keine aufgesetzte Ästhetisierung , sondern mehr als Schutzschicht des Inhalts, ähnlich einer Haut, zu verstehen. Dabei ergeben sich verschiedene Ebenen, die das Wesentliche entweder komplett, teilweise oder ganz verdecken, bzw. erst sichtbar werden lassen. Im Entstehungsprozess erfährt die Arbeit Anziehung, Ablehnung, Faszination und Ernüchterung durch den Künstler, was in der internen Dynamik des Werks spürbar wird, sodaß das an der Oberfläche glatte, in der Tiefe rauh und gewaltig erscheint, oder im absoluten Gegenteil wirkt. Der Widerspruch ist das Prinzip der Arbeitsweise Koberstädts, jedoch nicht als plumpe Rebellion, sondern um dem Gewohnten, Masse, Gewicht und Veredelung zu verleihen. Diese Art der Aufwertung ist dabei keine selbstverliebte Rotzigkeit, eher ein Sichtbarmachen von Kontrast zwischen Material und Inhalt. Bei dieser Auseinandersetzung bestreitet er im Alleingang ungewöhnliche Räume und Ausmaße. Das was bleibt wird zur Manifestation der Außenwelt in der sich der Künstler bewegt und der Konfrontation mit seinem Innenleben. Daraus entsteht die Frage nach dem Standard, wie die Gesellschaft ihn vorgibt und so wie Ihn Koberstädt für sich selbst erlebt und definiert. In der fast immer geschlossenen Form, der meist monumental auftretenden Skulpturen, ergibt sich ein Innenraum, der den Rückzug in die Intimität verlangt, ähnlich einer Wunde, die die Möglichkeit zulässt, in das Innere der Arbeit vorzudringen, immer unter dem Bewußtsein einer Grenzüberschreitung. Es geht nicht um Täuschung, wenn alltägliche Materialien so verändert werden, daß der Ursprung erst auf den xten Blick oder gar nicht zu erkennen ist, bzw. wenn herkömmliche Werkstoffe selbst nachgebaut werden. Koberstädt ist kein Blender, sondern hinterfrägt so die eigene Wahrnehmung und reflektiert das, was wir als Norm erkennen und annehmen. Diese Konfrontation und somit der Zweifel an Dogma und Gewohnheit, passiert hier auf so subtile und kontroverse Weise, daß das Greifbare ungreifbar wird und umgekehrt. Was vielleicht auf den ersten Blick als rein formale Lösung mit Bezug zu Architektur daherkommt, hat in Wirklichkeit eine tiefere Ebene, nämlich das in Frage stellen des Beständigen und der Konzentration auf den aktuellen Prozess der eigenen Arbeit.