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Rede von Trude Kränzl anlässlich der Ausstellungseröffnung von Alexander Weinmann und Burghard Müller-Dannhausen


„Schön erscheinst du im Horizonte des Himmels, du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt! Du bist aufgegangen im Osthorizont und hast jedes Land mit deiner Schönheit erfüllt. Schön bist du, groß und strahlend, hoch über allem Land.“


trude

Sehr geehrte Damen und Herren,

damit beginnt der große Sonnenhymnus des Pharao Amenophis IV, besser bekannt als Echnaton (um 1350 v. Chr.). Die Sonne spielt in vielen Religionen eine große Rolle, Echnaton erhob sie zur Gottheit, als einzige göttliche Macht, so wie sie sich den Menschen in der Natur zeigt, nämlich als strahlenspendende Scheibe.
Ra oder auch Re wird sie genannt, die Sonnenscheibe, das Symbol des einen Gottes. „Ra“ nennt Alexander Weinmann, dessen Arbeiten wir hier im Erdgeschoss sehen, auch die zentrale Figur, auf die sich schon am Eingang der Blick richtet: Seine Sonnenscheibe, von zwei Wächtern flankiert.

Wie kommt der Künstler zu einer solch mystisch anmutenden Darstellung?

Alexander Weinmann unternimmt Streifzüge durch abgelegene Gegenden und Abbruchhalden, entlang von Geleisen, durch ausgediente Kiesgruben und Wälder.

Er sammelt, was ihm ins Auge springt: verkohlte Stämme und Wurzeln, Eisenteile, alte Gerätschaften und Werkzeuge. Sie sind alle ihrem ursprünglichen Kontext entrissen. Vieles erinnert ihn an Kultgegenstände. Alexander Weinmann spürt das Band, das frühe Kulturen, Urformen und Gegenstände mit der heutigen Zeit verbindet.

1880 rief Van Gogh auf einer Amsterdamer Müllhalde begeistert aus: „Mein Gott, ist das schön!“ Alexander Weinmann kann das nachvollziehen. So ergeht es ihm auch.

Seine Fundstücke arrangiert er in einer anderen Formensprache neu, komponiert natürlich belassenes Holz, Metall, Werkzeuge, und verwandelt das Gefundene in einer Art Metamorphose zu neuen skulpturalen Objekten. In ihrer stark reduzierten Formensprache - Weinmann beschränkt sich auf elementare archetypische Formen - erinnern sie an vorklassisch-Archaisches, an Kultisches und Mystisches, die Magie der Symbolsprache zeigt den Verfall und die Vergänglichkeit der Dinge und hält sie gleichzeitig auf.

Seine bildhauerische Arbeit schöpft aus dem Vorschlag des Materials, der spontanen Eingebung, dem Zufall. Dabei beachtet er das Material, dessen eigene Dimension und Stofflichkeit, auch die eigene Statik. In oft verblüffenden Kombinationen von Materialien unterschiedlichster Herkunft, lotet er die formalen Möglichkeiten aus, schafft inhaltliche Assoziationen, die den Betrachter in ungeahnte Bereiche zwischen Realem und Irrealem führen, es ist ein Spiel mit dialektischen Gegensätzen, mit Merkmalen verschüttet geglaubter Erinnerung.
So schafft Weinmann eine Montageplastik im Sinne des Primitivismus. Das Objekt soll mehrdeutig bleiben, die Fundstücke Eigenständigkeit bewahren, das Figürliche weitgehend zurücktreten. Indem er der Richtung folgt, die die Form- und Gestaltungskraft der Natur vorgibt, entstehen auch dem Holz entrungene Gestalten, die archaische Zustände, selbst Gefühle darstellen. Es sind symbolträchtige Gestalten, meist Torsi, aus Mooreiche, Eibe oder Platane. Es ist immer altes Holz, Holz, das Geschichten erzählt, es ist der individuelle Blick, der bestimmt, was in ihnen zu sehen und zu lesen ist. Weinmann sagt: „Meine Skulpturen sind Zeugnisse eines Dialogs, einer körperlichen Auseinandersetzung mit dem Material. Dabei geht es mir um das Bewahren von Dingen, die ausgedient haben.“
In seinen Ausstellungen entwickelt er aus seinen Skulpturen und Fundstücken Installationen. Die Materialform nimmt immer Bezug auf die Raumform. Der Raum um die Skulptur ist so wichtig wie die Skulptur selbst. Skulptur, die ja von vornherein mit dem Licht arbeitet, mit den Wirkungen von Schatten, die Räume eröffnet und erweitert. Bewusst gesetzte Leerzeichen sind quasi der Raum zum Atemholen; der Einblick, der Durchblick, der Ausblick.

Hier in unserer Ausstellung ist Ra flankiert von 2 Wächtern. Die Bodenskulptur aus 3 gebogenen Holzteilen führt auf die Biegung der Fassdaube von Ra hin, ein spannendes Wechselspiel zwischen konvexer und konkaver Krümmung.
Die Skulptur an der Seitenwand ist eine ganz neue Arbeit, hergestellt aus dem Teil eines Fasses und aus altem Eisen. Ihr zugehörig ist die kleine Wandarbeit im Nebenraum. Dort greift die „Grüne Sonne“ das Sonnenmotiv noch einmal auf, ohne die starke Ausdruckskraft des Hauptraumes zu schmälern. In diesem Raum faszinieren die Frauen, aus verschiedenen Hölzern, grob bearbeitet, teils bemalt. Diese organische Formen sind neben seinen archaischen Zeichen ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit.

Im gegenüberliegenden Raum noch einmal drei Frauen. Es sind drei machtvolle, raumgreifende Pharaoninnen, die die aufgehende Sonne begrüßen:
„Schön bist du, groß und strahlend, hoch über allem Land.“


Archaisch und abstrakt, so der Titel unserer Ausstellung. Vom Archaischen zum Abstrakten schlagen wir nun einen Bogen. Sie werden feststellen, er ist sehr spannungsreich.


Wir haben es bei der Abstraktion mit einer Reduzierung und einer Verdichtung zu tun, bei der Skulptur ist es die Formung, die sich einer Formensprache bedient, in der Malerei bezieht sich die Abstraktion auf Farbe und Form, Linie und Fläche.

Abstraktion kommt von lat. abstráhere, abziehen, und bedeutet in unserem Zusammenhang, dass das Außen, das Abbild, abgezogen, abgestreift wird. Um mit Platon zu sprechen: der Künstler verlässt das Schattenhafte, den äußeren Schein.
Er dringt vor zur Idee, jeden Bezug zur Gegenständlichkeit vermeidend und das Gemalte lediglich auf Form- und Farbklänge und ihre innerbildlichen Bezüge beschränkend. Das berühmte schwarze Quadrat von Malewitsch hat vor etwa 100 Jahren die Menschen sehr irritiert, als es allein auf der weißen Leinwand auftauchte. Es warf die Frage auf: Ist das noch ein Bild? Ja, es ist noch ein Bild, weil es sich immer mit dem Bildmäßigen beschäftigt, wenn auch in einer ganz reduzierten Form.

Aber nun zu dem Maler Burghard Müller-Dannhausen. Wie Alexander Weinmann geht es ihm um Vergangenes. Das mag Sie zunächst erstaunen. Das Vergangene ist jedoch nicht wie die Fundstücke von Alexander Weinmann materiell greifbar. Es wird nur e r f a h r bar und das auf einer ganz anderen Ebene. Der Künstler selbst sagt:
„Es geht mir darum, Erfahrungen sichtbar zu machen. Spirituelle Erfahrungen, die sich anders nicht artikulieren lassen, weil sie sich unseren gängigen Kommunikationsformen entziehen. Erfahrungen also im Grenzbereich des fast nicht mehr Mitteilbaren. Solche Erfahrungen knüpfen an Erinnerungen, an Wirklichkeitseindrücke, und beziehen sich auf unbestimmte Sehnsüchte und Zuständlichkeiten. All das wird verknüpft und schafft etwas Neues: einen Anlass für ein Bild“.

Wir halten zunächst fest: Der Künstler bringt sich selbst, seine Individualität voll in seine Bildwelt ein. Ohne Individualität kann heute keine Kunst entstehen.

Nun sagt Müller-Dannhausen, er wolle seine Erfahrung sichtbar machen, sie mitzuteilen, wäre nicht möglich. Es kann also nur darum gehen, eine Erfahrung in der Weise sichtbar zu machen, dass etwas geschaffen wird, mit dem der Betrachter eine Annäherung an eine eigene spirituelle Erfahrung finden kann. Damit kommt die Imagination ins Spiel. Individualität und Imagination, das sind die Eckpfeiler der Kunst von heute.

Zurück zum Künstler: Wie macht er seine Erfahrung sichtbar?

Der Eindruck eines Ereignisses liefert ihm Anlass und Inspiration für seine Bilder. Sein erster Besuch in der Villa Bosch - nach den grauen Wintertagen schien erstmals wieder die Sonne, da sagte er mir, dass er diese wundervolle Stimmung und dieses Licht mitnehme. Diese Eindrücke würden in neue Bilder einfließen.

So reflektiert und analysiert Burghard Müller-Dannhausen bewusst Erlebtes. Er materialisiert im Kopf. Das Bild steht imaginär im Raum und Licht, erweckt aus gespeicherten Erinnerungen. Es steht zunächst als Entwurf, streng geometrisch aufgebaut wie alle seine Entwürfe. Und nun kommt die Farbe ins Spiel, sein Medium. Jetzt ist die Malerei ganz bei sich. Es geht nur um Farbe. Müller-Dannhausen sucht das Äquivalent zu seiner Vorstellung und Empfindung in Farbe und er bringt es mit einer Kombination von maximal vier Farben plus weiß zum Ausdruck. Im Vorfeld hat er eine große Auswahl von Farben gemischt (in der Tat sind das etwa 6.000 bereits gemalte Farbtöne, alle eigens auf Pigmentbasis hergestellt). Nun wählt er aus, mischt nach, neue Entwürfe entstehen. Zum einen aus gedeckteren, kühleren Farben, dann wieder aus Farben von brillianter Strahlkraft. Eine letzte Mischung erfolgt auf dem endgültigen Bild. Seine Gefühle und Emotionen sind zu Farbe geworden, ihr Zusammenspiel im Bild wiedergegeben, die Bildtitel festgemacht durch Zahlen.

Zurück zu Individualität und Imagination.

Die Individualität steht für seine Bilder und beim Betrachten kommt unsere Imagination ins Spiel. Ich beziehe mich auf den bekannten Kunsthistoriker Prof. Dr. Hans Belting, der den Sinn der Kunst in der Imagination sieht, und zwar unserer eigenen, für die wir die Kunst brauchen. Er sagt, zur Imagination gehöre das Gedächtnis in seiner persönlichen, aber auch in seiner kollektiven Natur. Es bewahre die Realität der Vergangenheit in der Gegenwart. Der Künstler müsse folglich Arbeiten schaffen, die unsere Imagination beflügle. Sie müssten das Angebot für unsere Imagination sein, die sich über ihr Gedächtnis ihr Bild erschaffe.
Es ist also der Betrachter, der sich selbst das Bild erschafft. Er findet darin Bezüge zu seinen eigenen Erinnerungen oder Sehnsüchten. So kann Kunsterfahrung zur Selbsterfahrung derjenigen führen, die sich darauf einlassen. Ich zitiere Belting:

„Die Fortdauer der Kunst liegt heute bei uns, nicht in den Leistungen, die sie für uns erbringt, sondern in der Voraussetzung, die sie bei uns ermöglicht.“

Was ermöglichen diese Bilder?

Nun, unsere ganz individuelle Biografie ist beim Betrachten und Erfassen immer beteiligt.

Da können wir von unserer Wahrnehmung sprechen, von unseren Gefühlen und Anmutungen, wir können mit den Bildern auch nur Gedanken austauschen. Schauen Sie einfach, ob das jeweilige Kunstwerk in der Lage ist eine Kommunikation mit Ihnen herbei zuführen. Finden Sie heraus, ob es für Sie emotional präsent ist und was seine Betrachtung bei Ihnen bewirkt.

Wenn die Ästhetik der Kunst von heute von einer Unbestimmtheitsstelle spricht, so bedeutet das, dass Kunstwerke punktuell unvollendet sind. Diese Unvollendetheit ist beabsichtigt und konstruktiv. Damit beginnt das Werk einen Dialog mit seiner Umgebung und dem Betrachter zu führen. Es führt uns, die Betrachter, ganz wörtlich in das Werk hinein, damit wir es vollenden.

Ohne Menschen, ohne Sie, ist es unvollendet. Genau das ist es, was die Rezeptionsästhetik von heute will und fordert. Und das können diese Arbeiten leisten. Und Sie auch! Meine Damen und Herren, Sie sind nun an der Reihe.

Ich danke Ihnen!

Trude Kränzl








Raum und Figur

Malerei

konradhummel platzhalter andreasgrunert
Konrad Hummel
Göppingen
  Andreas Grunert
Hechingen-Beuren

 

Dauer

platzhalter

05.12.2009 – 10.01.2010

   

24./25. und 31. Dez. geschlossen

   

 

Öffnungszeiten

 

Di – So 14 – 18 Uhr

 

 

 

Eröffnung der Ausstellung

 

Freitag 04.12.2009 um 19 Uhr

 

 

 

Einführung

 

Dr. Andreas Gabelmann, Kunsthistoriker

 

 

Eröffnungsrede: PDF-Download >>

 

 

 

Presse

 

SÜDKURIER: PDF-Download >>

 

Konrad Hummel

Konrad Hummel kennt den Zweifel, aber er akzeptiert ihn nicht als endgültiges Verdikt: er stellt sich der Anforderung und beginnt im "chaotischen Vorrat" sozusagen seiner Elemente suchend zu ordnen und zu bauen. Er kombiniert, er schafft Strukturen, zerbricht sie wieder, er arbeitet an der Behebung von Störungen und Brüchen, die von außen kommen.
Seine Bilder sind vollständige, vor allem aber ehrliche Dokumentation dieser "Montage", dieses immer wieder neuen Versuchs, dem "Chaos" eine der darin enthaltene Ordnung abzutrotzen.
Brigitte Herpich, Stadtbergen

Andreas Grunert

Im Werk von Andreas Grunert werden Gedanken und Bemerkungen über den Menschen zu zeichenhaften Symbolen verdichtet. Seine Malerei ist geprägt von reduzierten poetischen Bilderfindungen.
"Meine Arbeit ist intuitiv, was den Bildinhalt anbetrifft, wie soll ich also erklären, warum der Kopf des Fisches am Knie und nicht am Kinn ist, was dieses oder jenes bedeutet? Aussagen des Unterbewussten lassen sich spekulativ erforschen, aber nicht eindeutig erklären. Ich erforsche normalerweise kein Bild im nachhinein, ich male das nächste. Die Summe aller Bilder erklärt das einzelne. Dazu kommt, dass für mich das Geheimnis ein Wert an sich ist."

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