Vergangene Ausstellung:

vom 14.01.2017 – 12.03.2017 | Di-So 14-17.30 Uhr |

Vernissage am Freitag, den 13. Januar um 19.00 Uhr

 

IRRITATIONEN

HANS LANKES | PAPIERSCHNITTE

VERONIQUE VERDET | INSTALLATIONEN

 

HANS LANKES

 

 

VERONIQUE VERDET

 

Laudatio von Dr. Andreas Gabelmann >>

 


 

 

Vergangene Ausstellung: 

ARBEITEN VON MITGLIEDERN DES KUNSTVEREINS RADOLFZELL E.V. IN DER VILLA BOSCH

  

Ausstellung vom 26. 11. 2016 – 08. 01. 2017 | DI – SO 14.00 – 17.30 UHR | GESCHLOSSEN 24., 25. & 31. 12. 2016

 

 

Im vergangenen Jahr sind viele geflüchtete Menschen nach Radolfzell gekommen. In Kooperation mit dem Freundeskreis Asyl hat der Kunstverein Radolfzell ein Projekt auf den Weg gebracht und in den letzten Wochen mit einigen kreativ gearbeitet. Im Rahmen unserer 13. Mitgliederausstellung möchten wir das Ergebnis dieser Initiative präsentieren und stellen unseren Gästen mit Freude einen Teil der Ausstellungsfläche in der Villa Bosch zur Verfügung. Wir möchten uns bei allen, die an diesem Projekt mitgemacht haben, herzlich bedanken.

 

 

 

 


 

 

 

Vergangene Ausstellung: 

vom 20.08. bis 3.10.2016 | Di-So 14-17.30 Uhr | „Fokus Junge Kunst 2.0“

 

 

 

 

Seit 25 Jahren bietet der Kunstverein Radolfzell dem breiten Spektrum der modernen und zeitgenössischen Kunst ein vielbeachtetes Forum in der Bodenseeregion. Neben der Präsentation arrivierter Künstler wie etwa Barbara Klemm war und ist ein besonderes Anliegen des Vereins die Förderung junger, weniger bekannter Nachwuchstalente.

 

Anlässlich des diesjährigen Jubiläums und anknüpfend an die Kunstpreis-Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen hat der von 300 Mitgliedern getragene Kunstverein erneut einen Wettbewerb für junge Künstler bis zum 35. Lebensjahr ausgeschrieben: Unter dem Titel „Fokus Junge Kunst 2.0“ sind in den beiden Geschossen der historischen Villa Bosch am See spannende Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie und Installation zu sehen, die von der Fachjury des künstlerischen Beirates ausgewählt und prämiert wurden. Einmal mehr verwandeln sich die lichten Räume des altehrwürdigen Villengebäudes in einen atmosphärischen Erlebnis- und Dialogort.

 

 


 

 

Vergangene Ausstellung: 

07.05. 2016 – 26. 06. 2016 | Kunstverein Radolfzell e.V. in der Villa Bosch

 

Expression
und
Konstruktion

 Evelina Velkaite, Malerei

Johannes Kersting, Fotografie

 

 

 

Evelina VelkaiteEvelina Velkaite
 Johannes KerstingJohannes Kersting

 

 

Einführungsrede von Dr. Günter Baumann >>

 

 


 

Vergangene Ausstellung: 

23.01. 2016 – 28. 02. 2016 | Kunstverein Radolfzell e.V. in der Villa Bosch

 

Malerei
Bildschweine
Skulptur

Axel BrandtAxel Brandt
 Thomas PutzeThomas Putze

 

Axel Brandt, Malerei 

Thomas Putze, Skulptur

 

 

 

Einführungsrede von Trude Kränzel >>

 

 

 

 

 


 

Vergangene Ausstellung: 

10. 10. 2015 – 22. 11. 2015 | Kunstverein Radolfzell e.V. in der Villa Bosch

 

Prozesse
Formen
Raum

NafeNadja Nafe
 NausedEsther Naused

 

Esther Naused, Tuschemalerei 

Nadja Nafe, Gemälde, Collagen und Papierinstallationen

 

 

Einführung von Dr. Andreas Gabelmann >> 

 SÜDKURIER-Artikel zur Ausstellung >>

 


 

Vergangene Ausstellung: 

11. 07. 2015 – 23. 08. 2015 | Kunstverein Radolfzell e.V. in der Villa Bosch 

 

Menschen
Rhythmen
Räume

Reinckes
 mayer

 

Malerei von Christine Reinckens und Ede Mayer

 

 Eröffnungs-Rede von Andrea Dreher >>

 

 

 


 

Vergangene Ausstellung:

 

Dimensionen in Papier

Sabine K. Braun – Rauminstallationen

Eberhard Freudenreich – Objekte und Zeichnungen


Vernissage: 13. März 2015, 19 Uhr
Villa Bosch, Kunstverein Radolfzell e.V.
 

Begrüssung: Dr. Wolff Voltmer, 1. Vorsitzender
Einführung: Dr. Andreas Gabelmann, Kunsthistoriker (Die Rede wurde wegen Krankheitsbedingtem Ausfall von Dr. Wolff Voltmer gehalten)

Hier finden Sie die Einführungsrede >>

 



Vergangene Ausstellung:
 




 

»ohne Titel«

mit Arbeiten von Mitgliedern des Kunstvereins Radolfzell E.V. in der Villa Bosch

22. November 2014 – 11. Januar 2015
Di – So 14.00 – 17.30 Uhr


Artikel zur Ausstellung, Südkurier 24.11.2014, als PDF-Download >>



 





Vergangene Ausstellung:


 

 

Fotografie
in between
Malerei





 

Magdalena Abele (Fotografie)

 

Johannes Lacher (Malerei)


 

Einführung von Dr. Ute Hübner, Hermann-Hesse-Höri-Museum | Gaienhofen >>

 

02. August – 21. September 2014
Di – So 14.00 – 17.30 Uhr



 


 



Vergangene Ausstellung:

STRUKTUREN IM RAUM

Karl-Heinz Bogner & Michael Dekker
Objekte | Zeichnungen | Malerei Skulpturen | Grafiken

vom 15.03.2014 - 04.05.2014

Eröffnung:
Freitag, den 14.März um 19.00 Uhr durch Dr. Wolff Voltmer (1.Vorsitzender)

Einführung in die Ausstellung: Clemens Ottnad M.A. (Kunsthistoriker)

Einführungsrede von Clemens Ottnad M.A.>>

Öffnungszeiten:
Di.- So. 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr
Karfreitag geschlossen | Ostermontag geöffnet

in der Villa Bosch, Scheffelstraße 8, Radolfzell

 

 

IRRITATIONEN

Véronique Verdet und Hans Lankes

Kunstverein Radolfzell, Vernissage, Villa Bosch, 13. Januar 2017.

Irritationen. Dieser Begriff, den wir als Titel der Ausstellung gewählt haben, beinhaltet gleichermaßen Verunsicherung wie auch Faszination; er kann eine verwirrende Rätselhaftigkeit, ein ungläubiges Erstaunen und eine überraschende Erkenntnis bedeuten. Wenn das vermeintliche Bekannte und Vertraute ins Ungewohnte und Unerwartete umschlägt, sind wir irritiert, und gleichzeitig zu einer Auseinandersetzung, zu einer Haltung und Reaktion herausgefordert. Dies gilt nicht nur für heikle zwischenmenschliche Situationen sondern auch und vor allem für ambivalente künstlerische Ausdrucksformen, die uns ebenso ästhetisch und sinnlich wie auch unbequem, sperrig oder gar provokant begegnen.

Mit der Zeichnerin und Installationskünstlerin Véronique Verdet und dem Papierschneider Hans Lankes präsentiert die Ausstellung zwei eigenständige Positionen, deren vielschichtig angelegte Arbeiten das Moment der Irritation wie auch der Interaktion zwischen Werk und Betrachter auf jeweils ganz unterschiedliche Weise in sich tragen.

Véronique Verdet, deren Werke im Obergeschoss zu sehen sind, wird 1967 in Le Cannet in Südfrankreich geboren. Sie wächst in der Provence auf, ist in den Sommermonaten aber häufig in Gaienhofen bei Ihren Großeltern, dem Malerehepaar Gertraud Herzger von Harlessem und Walter Herzger, zu Besuch. Von 2000 bis 2004 absolviert Verdet ein Studium der Plastik und Audiovisuellen Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken. Anschließend ist sie dort bis 2006 Meisterschülerin bei Prof. Christina Kubisch, einer wichtigen Vertreterin von Performance, Videokunst und Klanginstallationen. Zahlreiche Ausstellungen und ortsbezogene Projekte machen seit 2001 Verdets Schaffen beim kunstinteressierten Publikum bekannt. Im Sommer 2016 zeigte das Hesse-Museum in Gaienhofen eine ambitionierte Ausstellung ihrer Werke im Dialog mit den Arbeiten ihrer Großeltern.

Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens steht die kritische Auseinandersetzung mit zeitaktuellen Themen. Dabei agiert Verdet als eine wache Beobachterin gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen und hinterfragt diese Prozesse gezielt in ihren Arbeiten. Ihr schöpferisches Tun entfaltet sich im Spannungsfeld zwischen Zeichnung, Rauminstallation, Objektkunst und Soundkomposition. So begegnen uns abstrakte, teils großformatig angelegte Strukturzeichnungen, die sich ganz auf die Eigenkraft von Linien und Punkten konzentrieren. Kombiniert werden diese oftmals wandfüllenden, auch auf dem Boden platzierten und seriell angelegten Arbeiten mit Objekten oder Alltagsgegenständen, die als komplexe, sorgfältig arrangierte Installationen in den Raum intervenieren und den Betrachter zu einem gedanklichen Dialog mit dem Gezeigten animieren. Experimentelle Klang- und Geräuschkulissen mit Soundfragmenten aus Natur, Umwelt und Technik verdichten die Atmosphäre und erweitern sie in akustische Dimensionen.

Die Arbeiten, die Verdet in dieser Schau präsentiert, kreisen hauptsächlich um die brandaktuellen Ereignisse der Flüchtlingskrise und des Terrors. „Kunst hat nicht die Aufgabe politische Themen plakativ in Szene zu setzen, sondern sollte dem Betrachter die Möglichkeit geben, die gesellschaftliche und politische Realität aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.“ So erklärt die Künstlerin ihre inhaltliche Intention. Formal agiert sie dabei als Grenzgängerin zwischen Wand und Raum, Zeichnung und Objekt, visueller und akustischer Kommunikation.

In ihrer Installation mit dem Titel „Campscape“ inszenieren eine monumentale Filzstiftzeichnung und 9 Miniatur-Igluzelte eine zunächst rätselhaft anmutende, irritierende Konstellation. Hier nimmt Verdet konkreten Bezug zur Situation von Flüchtlingen, die an der türkischen Grenze zu Syrien in riesigen Massenlagern untergebracht sind, und deren Berichte und Erzählungen sie unmittelbar in ihre Bildsprache mit einfließen lässt: So steht die große Zeichnung mit roten Dreieckselementen sinnbildhaft für ein scheinbar endloses Zeltlager und zugleich für ein, wie Verdet es nennt, „Modell für das Verhältnis von Masse und Individuum“. Die davor akkurat aufgereihten leeren Minizelte, bei denen es sich um Katzenzelte aus dem Tierbedarf handelt, spiegeln sowohl den „militärischen Charakter solcher Flüchtlingscamps, als auch unsere westliche, freizeitorientierte Gesellschaft, die durchaus in der Lage ist Katzenzelte zu produzieren“. Es entsteht eine fast absurde Situation, erfüllt von ironischer Brechung und verstörender Beklemmung.

Ein Statement mit zeitkritischer Botschaft setzt Verdet auch in ihrer vielteiligen Rauminstallation „Die Schutzflehenden“, die aus rund 150 Atem-Schutzmasken, einer Boje, einer Serie von Küstenlinien-Zeichnungen und einer Soundkomposition besteht. Dazu stellt Verdet die Frage in den Raum: „Schutz suchen, Schutz anbieten, sich selber schützen – ist die Verschärfung der Kontrollen an unseren Grenzen durch Organisationen wie Frontex die Lösung? Riskieren wir nicht den Zorn des Zeus, wenn wir nicht den Schutzflehenden mit allen Mitteln zu helfen versuchen?“ Der Titel dieser Installation wurzeln in dem Text „Die Schutzflehenden“, in dem der antike Dichter Aischylos im Jahre 463 v. Chr. mahnt: „Wir sollen hier im Lande wohnen frank und frei, angriffgesichert, aller Welt in heilger Ruh; Es soll hinweg kein Fremdling, kein Einheimischer uns reißen; würde je Gewalt an uns versucht, so sollte, wer von den Bürgern nicht zu Hilfe eilt, ehrlos erklärt sein und verbannt durch Volksbeschluß.“ Das dazugehörige Klangarrangement lässt Meeresrauschen hören, das vom Geräusch eines ständig im Kreis fahrenden Motorbootes überlagert wird. Steht das Plätschern der Wellen für Sorglosigkeit und Ferienidylle, so verweist das nie ankommende Boot auf diejenigen, die vergeblich versuchen dieses rettende Ufer zu erreichen.

Eine minimalistische Ästhetik prägt generell die Zeichnungen von Véronique Verdet. Diese entstehen nach Auskunft der Künstlerin sowohl intuitiv und spontan als auch konzeptuell durchdacht. „Der Bilderflut, der wir Tag für Tag ausgesetzt sind und die dazu führt, dass diese Bilder an Kraft einbüßen, setze ich radikal reduzierte Zeichnungen entgegen“, erklärt sie zu diesen Werken, die in einem langwierigen, gleichsam meditativen Arbeitsprozess mit Tusche und Filzstift Gestalt annehmen und in denen der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle spielt. In den gegenstandsfreien Zeichnungen erkundet Verdet das Spannungsverhältnis von Punkt und Linie zu Fläche. Beispielhaft dafür steht die friesartig konzipierte Arbeit „The Road“ (2016), die aus ca. 30 Tafeln besteht. Wiederholung und Verdichtung, Fülle und Leerräume, Dynamik und Rhythmus sowie deren Ausbreitung ins Unendliche bestimmen die außergewöhnliche Wirkung dieser raumgreifenden Serie, in der Verdet – wie sie sagt – „nur mit Hilfe von Punkten eine nicht enden wollende Strasse“ auf das Papier bannen will. Gleichzeitig kann der lebendige Organismus der Punkte auch als Metapher für das Unterwegs-Sein von Flüchtlingen gelesen werden, die als Heimatvertriebene im weiten Raum des Unbekannten auf Wanderung sind und eine „imaginäre geographische Landkarte bilden“.

Mit dem Thema Gewalt und Terror beschäftigt sich Verdet in der Collagenserie „Promenade des Anglais“, die das Attentat an der Strandpromenade von Nizza im Juli 2016 zum Inhalt hat. Mittels der Verknüpfung von Fotos aus der Tagespresse und gezeichneten Punkten aus blauer Tusche transformiert Verdet das furchtbare Geschehen in eine offene, zwiespältige Atmosphäre zwischen Schrecken und Schönheit. So verweist die blaue Farbe „auf das Meer und die berühmten blauen Stühle der Promenade, die mit Freizeit und Wohlbefinden assoziiert werden und nicht mit dem Terror, der an diesem 14. Juli stattgefunden hat“. Wie in ihren übrigen Arbeiten hebt Verdet den problembehafteten Bildgegenstand auf eine ebenso künstlerisch ansprechende wie intellektuell reflektierte Ebene, die dem Betrachter immer auch neue Denkräume eröffnen möchte.

Hans Lankes, dessen Arbeiten hier in den Erdgeschossräumen zu bewundern sind, wird 1961 in Bogen in Niederbayern geboren. 1978 beginnt er mit seiner künstlerischen Arbeit, 1980 ist er im Atelier des Bildhauers Hans Rieser in Straubing und in der dortigen Bronze-Kunstgießerei tätig. Bis 1993 machen zahlreiche Ausstellungen auf sein Schaffen aufmerksam. Danach unterbricht er seine künstlerische Tätigkeit und nimmt sie 2009 mit einem erfolgreichen Neubeginn als Papierschneider wieder auf.

In seinen figurativ-gegenständlich angelegten Papierschnitten entwirft Lankes traumartig anmutende, surreale Bildwelten, die stets rätselhaft bleiben und keine eindeutigen Interpretationen zulassen. Seine bisweilen bizarr und grotesk wirkenden Kombinationen von vertrauten und widersprüchlichen Motiven bieten vielschichtige Wahrnehmungsebenen zwischen sichtbarer Wirklichkeit und irrealer Vorstellung.

Meist ohne Vorzeichnung schält Lankes seine Sujets mit dem Cutter oder Skalpell in einem durchgängigen Arbeitsprozess präzise aus dem schwarzen Papierbogen. Nachträgliche Korrekturen oder Veränderungen sind nicht möglich. „Kein Lavieren, keine Tricks. Es geht um Konzentration und Konsequenz. Was geschnitten ist, ist weg“, erklärt er seine Vorliebe für die besondere Technik des Messerschnittes. Und weiter betont er: „Das Weggeschnittene ist genauso wichtig, wie das Stehengelassene. Der Raum bzw. die Wirkung entstehen auch durch das, was nicht mehr da ist.“ Und so entwickeln sich seine Arbeiten aus dem permanenten Mit- und Gegeneinander von positiver und negativer Form, von fragilen Linien und schmalen Graten, von wuchtigen Flächen und scharfkantigen Konturen. Der ausgeschnittene dunkle Motivbogen wird anschließend auf helle Leinwand, Hartfaserplatte oder auch direkt auf die Wand montiert, so daß eine flache, aber sichtbare Reliefebene entsteht, die dem Bild eine subtile Schattenwirkung und eine räumliche Dimension verleiht. In neueren Arbeiten färbt Lankes zusätzlich die Rückseiten der Papiere ein, wodurch sich ein verblüffender farbiger Leucht-Effekt einstellt.

Lankes Bildschöpfungen bewegen sich im Aktionsfeld zwischen Zeichen und Symbolen, zwischen humorvoller Ironie und skurriler Irritation. Viele seiner Bilder driften ins Phantastische und Verspielte, sind erfüllt von expressiver Erfindungsfreude wie auch von aggressiver Ästhetik. Uns begegnen kühne Figuren- und Gebäudedarstellungen, die in ihrer geheimnisvollen Formkombination als hybride Gebilde in Erscheinung treten. So erblicken wir bärtige Männerköpfe, in deren Antlitz weitere Köpfe und Gesichter eingewoben sind; wir sehen verirrte Surfer auf einsamen Klippen, stille Interieurs oder eigenwillige Architekturfragmente, die mit ihren wilden Brechungen und Schichtungen unbewohnbar scheinen. Diese Architekturphantasien bewegen sich zwischen konkreter Konstruktion und abstrakter Dekonstruktion. Gelegentlich überziehen auch Textzeilen ganze Gesichter und laden diese mit persönlicher inhaltlicher Bedeutung auf. Lankes beschwört paradoxe Bilderzählungen, die in ihrer scheinbaren Selbstverständlichkeit ebenso faszinierend wie erschreckend sind.

Eine kompromisslose Reduktion ins Zeichenhafte, verbunden mit einem sicheren Gespür für fragile Muster und Strukturen, kennzeichnen das Gestaltungsprinzip der Papierschnitte. Es öffnen sich imaginäre Bildwelten, voll abgründiger Komik und visionärem Hintersinn. Nicht selten kippt das Harmlose unvermittelt ins Irritierende. So beispielsweise in der Serie der „Surfer“ von 2014, in der die Wellenreiter aus ihrem Element von Wasser und Wind verbannt wurden und sich als isolierte Personen unversehens in einer befremdlichen Umgebung wiederfinden, die jeder Logik widerspricht. Plötzlich sind die schäumenden Wellenkämme zu durchbrochenen Felsen, ja zu wuchernden Mikroorganismen, mutiert, die ein gleichsam unkontrolliertes Eigenleben zu führen scheinen. Hinter der perfekt durchgearbeiteten Oberfläche tut sich eine zweite Bedeutungsebene auf, in der sich das Gezeigte unvermutet in sein Gegenteil, das vermeintlich Banale ins Erstaunliche, kehrt.

Vieldeutig begegnet uns auch Lankes neueste Serie „Cloud“, die als große Wandinstallation aus knapp 20 Einzelschnitten konzipiert ist. Eigentümlich organoide Formgebilde, mit geringem Abstand zur Wand befestigt, durchschweben den Raum wie ein bizarrer Schwarm und werfen farbig bewegte Schatten auf die Flächen. Der Titel Cloud verweist einerseits auf das Naturelement der Wolke, andererseits spielt er auf die Metapher der digitalen Wolke an, in der wir unsere Daten speichern können, die anschließend rund um den Globus von anderen Rechnern jederzeit abgerufen werden können. Bei Lankes verwandelt sich diese virtuelle Cloud in einen wandfüllenden Organismus, der eine nicht greifbare Autonomie entwickelt.

Lankes Werke bestechen durch ihre souveräne Ausführung und ihre kraftvolle, fast plakative Wirkung. Eine suggestive Energie spricht aus ihnen. Lankes entkleidet die traditionsreiche Technik des Papier- oder Silhouettenschnittes, der vor allem in der Volkskunst des 18. und 19. Jahrhunderts seine Höhepunkte feierte, von jeglicher schmuckvoller Dekoration und gelangt zu schnörkellosen und zeitgemäßen, auf das Elementare verdichtete Bildlösungen. Darin halten sich spielerische Leichtigkeit und ernsthafte Nachdenklichkeit die Waage. Lankes selbst sieht in seinen Werken „autonome Arbeiten, die für sich selbst stehen, und die Räume öffnen, Ausblicke ermöglichen bzw. die Betrachter so anritzen, daß sie nicht unberührt vorbeigehen können.“

Beide Künstler agieren mit ihren Arbeiten im Kräftefeld zwischen Wand und Raum, Linie und Fläche, Form und Botschaft. Vor unserem Auge entstehen aussagekräftige Gesamtkunstwerke, die alle Sinne ansprechen und die immer die Kommunikation mit dem Betrachter suchen. Véronique Verdet und Hans Lankes arbeiten mit assoziationsreichen Wahrnehmungsebenen und ihre Werke halten stets die Balance zwischen eindringlicher Ästhetik und unvermuteter Irritation, Schönheit und Erschrecken. Sie halten kritische Distanz, hinterfragen Zustände und Prozesse, lassen die Dinge in einem anderen Licht erscheinen und fordern vom Betrachter ein vertieftes Nachdenken über Motive und Inhalte. Verdets Zeichnungen und Raumentwürfe wirken wie analytische Versuchsanordnungen, in denen Hintergründe und Zusammenhänge sensibel aufgedeckt und neu zur Diskussion gestellt werden. Lankes Messerschnitte gewinnen durch den Blick in Abseitiges und Abgründiges ihre ganz spezielle Aura. Beide Künstler reflektieren, so unterschiedlich ihre Medien und Bildsprachen auch sein mögen, das Leben im Hier und Heute, mit all seinen krassen Widersprüchen und Extremen, mit seinen Fragestellungen und Reibungspunkten, seinen Paradoxien und Absurditäten. Ihre Kunst erstaunt und irritiert, und das ist gut so!

 

© Dr. Andreas Gabelmann, Kunsthistoriker, Radolfzell

 

Was kann Kunst?

 

 

A U S F A H R T


 

am Samstag, 19.November 2016 nach Stuttgart

STAATSGALERIE STUTTGART
„FRANCIS BACON. UNSICHTBARE RÄUME"

 

Die Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie widmet sich einem zentralen Aspekt im Werk von Francis Bacon  - seinen charakteristischen Konstruktionen von Bildräumen. Er organisiert den räumlichen und dramatischen Bildaufbau, indem er seine Sujets mit einem architektonischen, geisterhaft anmutenden Rahmenwerk umgibt. Bei manchem Arbeiten platziert er seine verletzlichen Figuren vor schwarzen Flächen, stellt sie auf Podeste und Gerüste oder exponiert sie in einer Arena. Gefangen in diesen Räumen steht den Figuren kein Fluchtpunkt zur Verfügung, sie sind uns in diesen indifferenten Käfigen schutzlos ausgeliefert. Die Ausstellung zeigt, wie Bacon’s „unsichtbare Räume“ die Isolation der dargestellten Figuren betonen und die Aufmerksamkeit auf deren seelisches Befinden lenkt.
Zur Ausstellung gehören 40 großformatige Gemälde, darunter vier monumentale Triptychen sowie bislang selten gezeigte Papierarbeiten. Wir sehen großartige Leihgaben  u.A. aus dem Museo Thyssen- Bornemisza in Madrid , dem Museum of Modern Art in New York oder dem Hirshhorn Museum & Sculpture Garden in Washington. Diese Ausstellung ist eine Gemeinschaftsausstellung mit der Tate Liverpool.
Francis Bacon, geboren 1902 in Dublin, gestorben 1992 in Madrid, gilt als einer der bedeutendsten modernen Maler Großbritanniens.


Kosten          Fahrt, Eintritt und Führung                       30.- €      für Mitglieder
                                                                                      35.- €      für Nichtmitglieder
Abfahrt         Bahnhof Radolfzell                                   07:53
Ankunft        Stuttgart HBF                                            10:42
Führung        Staatsgalerie                                           12:30– 13:30
Rückfahrt      Stuttgart HBF                                          17:18
Ankunft        Bahnhof Radolfzell                                   19:58
    
Verbindliche Anmeldung bis Freitag, den 04. November 2016   
bei Frau Vetter in der Sparkasse Singen-Radolfzell 07732  984  2740
Bitte benachrichtigen Sie uns, wenn Sie, obwohl angemeldet, nicht mitkommen können!

Telefon: 07731 5910 30
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und wünschen Ihnen weiterhin einen sonnigen spätsommerlichen Herbst am See!

Mit herzlichen Grüßen
Marlis Faller

 

Vergangene A U S F A H R T


 

am Samstag, den 02. Juli 2016 nach Ravensburg

KUNSTMUSEUM RAVENSBURG
KATHARINA HINSBERG

 

Für das Kunstmuseum Ravensburg hat Katharina Hinsberg eine aufsehenerregende Arbeit aus der Werkreihe FELDERN (FARBEN) entwickelt. Sie nimmt Bezug auf die Architektur des Museums, wobei die Installation in den Raum expandiert und mit diesem deckungsgleich wird. Tendenzen, das Werk installativ in den Raum zu erweitern, gingen seit den 1960er Jahren sowohl von der Malerei als auch von der Skulptur aus. Ab den 1980erJahren spielte für die Künstlerin vor allem die Eroberung der Wand eine große Rolle. Seit den 1990er Jahren gehen raumgreifende Impulse jedoch vor allem von der Zeichnung aus.

Katharina Hinsberg ist eine der wichtigsten Vertreterinnen einer solchen von der Zeichnung kommenden Installation in Deutschland. Mit Blick auf den expressiven Grundstock der Sammlung Selinka stellt sie in dieser, eigens für Ravensburg entwickelten Rauminstallation das Medium Farbe in den Mittelpunkt.

Gleich um die Ecke liegt das Museum Humpis – Quartier, ein aus insgesamt sieben Gebäuden bestehendes, spätmittelalterliches Wohnquartier, das seit 2009 als Stadtmuseum genutzt wird. In den Preis für diese Ausfahrt nach Ravensburg ist der Eintritt in „Humpis Quartier“ mit enthalten.

Kosten: Fahrt, Eintritt und Führung 25.- € für Mitglieder, 30.- € für Nichtmitglieder. Abfahrt am Bahnhof Radolfzell um 10:05 Uhr, Ankunft am Bahnhof Ravensburg um 11:03 Uhr. Führung im Kunstmuseum Ravensburg um 13:00– 14:00 Uhr. Rückfahrt am Bahnhof Ravensburg um 16:52 Uhr. Ankunft am Bahnhof Radolfzell um 17:52 Uhr.

Verbindliche Anmeldung bis Freitag, 24.Juni 2016 bei Frau Vetter in der Sparkasse Singen-Radolfzell, Telefon 07732 984 2740 ! Bitte benachrichtigen Sie uns, wenn Sie, obwohl angemeldet, nicht mitkommen können! Telefon: 07731 591 030

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und wünschen Ihnen einen sonnigen und schnakenfreien Frühsommer am See !

Mit herzlichen Grüßen


Marlis Faller

 

 

 

 


 

 

 

VERGANGENE A U S F A H R T

Am Samstag, den 23. Mai 2015

"The Embalmer"

Berlinde De Bruyckere


BREGENZ

KUB

KUNSTHAUS BREGENZ

 

Das Programm 2015 des KUB wird im Wesentlichen durch drei Künstlerinnen bestimmt. Berlinde De Bruyckere, geboren 1964 in Gent, ist nach Rosemarie Trockel die Zweite in dieser Reihe. Sie versetzt mit ihren atmosphärisch dichten Installationen und Skulpturen die Räume des KUB in eine unheimlich anmutende Stimmung. Im Mittelpunkt steht ihre große Biennale-Arbeit von 2013, die sie für den belgischen Pavillon in Venedig realisierte. Darüber hinaus werden Arbeiten gezeigt, die sie eigens für die Ausstellung in Bregenz entwickelt hat.

Bekannt wurde De Bruyckere durch zahlreiche internationale Ausstellungen u.a. in Montreal, Melbourne, Istanbul, Bern. Bei ihren Skulpturen arbeitet sie mit Abgüssen aus Wachs und Kunstharz, sie setzt Tierfell ein, Metall, Holz und Stoff. Ihre Werke eröffnen vielschichtige Bezüge zu kunsthistorischen Traditionen der Malerei und Plastik. Christliche und mythologische Themen, aber auch Tiere als Opfer auf Schlachtfeldern oder abgestorbene Bäume geben Zeugnis vom Wachsen und Vergehen.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Vorarlberger Landesmuseum. Ihre Eintrittskarte ist für beide Museen gültig.

Kosten für Fahrt, Eintritt und Führung: 30,00 Euro für Mitglieder und 35,00 Euro für Nichtmitglieder

Abfahrt Bahnhof Radolfzell 09:14 Ankunft Bahnhof Bregenz 11:13

Führung Kunstmuseum Bregenz, ca.60 Minuten 12:30 Rückfahrt Bahnhof Bregenz 16:45

Ankunft Bahnhof Radolfzell 18:42

Verbindliche Anmeldung bis 13. Mai 2015 bei Frau Vetter in der Sparkasse Singen-Radolfzell 07732 9842740

Bitte benachrichtigen Sie uns, wenn Sie, obwohl angemeldet, nicht mitkommen können!
Tel.Nr.: 07731 591 030

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und wünschen Ihnen frühlingshafte Tage am See.

Mit herzlichen Grüßen Marlis Faller